Schweineställe, © V. Teuschler

Das Ferschweiler-Bollendorfer Plateau

Fraubillenkreuz und Teufelsschlucht

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An den Rändern des Ferschweiler Plateaus und beiderseits der Sauer erheben sich die spektakulären Felsformationen des Luxemburger Sandsteins. Enge Schluchten, majestätische Bastionen und bizarre Felswände lassen die alte Mystik dieser Region wieder aufleben.

Geologie des Ferschweiler-Bollendorfer Plateaus.

Die dritte große Landschaft des Naturparks ist das Bollendorf-Ferschweiler Plateau. Der Plateau-Charakter wird durch eine 40 - 60 m mächtige Kalksandsteinplatte erzeugt, die rundum in steilen Abstürzen, in senkrechten Felswänden, in Bastionen und Pfeilern zu den umgebenden Flusstälern von Prüm und Sauer und nach Norden hin gegen das Gutlandgebiet abbricht.Die Sandsteintafel ist eine nahezu völlig ebene, leicht gewellte Hochfläche, die von ca. 400 m im nördlichen Teil über 350 m bei Ferschweiler auf 330 m im Süden absinkt. Steile, an der Taloberkante ansetzende, jedoch wenig stark eingetiefte Bachtäler gliedern den Plateaurand zur Prüm hin, während von der Sauer her schluchtartig eingeschnittene Täler bis ins Zentrum der Hochfläche bei Ferschweiler und Ernzen zurückgreifen und dem Plateurand ein stark zerlapptes Aussehen geben.

Das Plateau wird aus dem jüngsten Gestein des Naturparks aufgebaut, dem Luxemburger Sandstein aus dem Lias, der vor ca. 180 Millionen Jahren hier abgelagert wurde. Es ist ein gebleichter, mürber Sandstein, der in großen Steinbrüchen gebrochen und zum sogenannten Ernzener Sand verarbeitet wird. Die zahlreichen Klüfte sind die Ursache für den Grundwasserreichtum des Plateaus. Auf den Klüften können erhebliche Teile des Niederschlages versickern und Grundwasser bilden. Dieses Grundwasser trifft auf die Tonsteine des Keupers, auf denen der Sandstein lagert und tritt deshalb an dieser Nahtstelle in zahlreichen Quellen aus, die zum Teil für die öffentliche Wasserversorgung gefasst sind.

Podsolige Rostbraunerden im Norden und schluffig-lehmige Stagnogleye im Westen sind die dominierenden Bodentypen.

Auf den Rostbraunerden werden vorwiegend Getreide (Weizen und Roggen) und Kartoffeln angebaut. Grünlandnutzung mit Streuobstanbau überwiegt auf den Stagnogleyen.
Der gesamte Plateaurand, einschließlich großer Teile der anschließenden Hochflächen, ist bewaldet, wobei Nadelwald – Lärche, Kiefer, Fichte – und Laubwald – vorwiegend Buche – zu etwa gleichen Teilen vertreten sind. Dazu kommen eine Reihe wärmeliebender Arten wie Esskastanie, Robinie, Kornelkirsche, Rosengewächse, Schlehen, Wilder Schneeball und Elsbeere an besonders trockenwarmen Standorten.

Zwei wichtige und malerische Teillandschaften des Ferschweiler-Bollendorfer Plateaus sind das Holsthumer Prümtal, das den Wolsfelder Heiderücken vom Hauptplateau trennt.

Der Wolsfelder Heiderücken ist ein in Nord-Süd-Richtung verlaufendes, langgestrecktes schmales Hochplateau, das im Westen vom Holsthumer Prümtal und im Osten vom Unteren Nimstal begrenzt wird. Mit steilen bis zu 150 m hohen Flanken steigt dieses Plateau über die beiden Täler an und besitzt eine sehr scharf ausgeprägte Taloberkante, die zu der völlig ebenen Hochfläche im 370 m Niveau überleitet.
Der Heiderücken ist die am weitesten nach Nordwesten vorgeschobene Liasinsel des Luxemburger Sandsteins, die durch die Prüm von der übrigen Luxemburger Sandstein-Hochfläche, dem Ferschweiler-Bollendorfer Plateau, getrennt wird.

Unterlagert wird hier der Luxemburger Sandstein vom Rhätsandstein des Oberen Keupers, so dass zwei stufenbildende Gesteinsserien übereinanderlagern und damit die Steilheit der Talwände bewirken. Insbesondere treten am West-Abfall zur Prüm hin bizarre, senkrechte, offene Felswände und Rippen auf.
Die Hochfläche ist mit Ausnahme der Prümerburg und der Irreler Heide völlig bewaldet, wobei der überwiegende Waldanteil auf Kieferbestände entfällt; in geringem Maße tritt Mischwald mit Buche auf.
Auf den Sandböden wird überwiegend Kartoffelanbau betrieben; Getreide ist kaum vorhanden. Im Süden des Heiderückens – Irreler Heide – begegnet einem die Steppenheideflora.
Die Talhänge zeigen deutliche Unterschiede des Waldbestandes auf Sonnen- und Schattenseite: Auf den nach Osten gerichteten Hängen zum Nimstal hin stocken ausgedehnte Buchenwälder, während auf den nach Nordwesten bis Südwesten hin gerichtetetn Prümtalhängen neben Buche und Eiche auch Robinie und Esskastanie vertreten sind.

Das Holsthumer Prümtal liegt zwischen dem Ferschweiler Plateau und dem Wolsfelder Heiderücken.
Die Talhänge sind mehrfach gestuft, was hauptsächlich auf die unterschiedliche Verwitterungsresistenz der die Hänge aufbauenden Gesteine zurückzuführen ist. Das Tal durchschneidet die geologische Grenze zwischen Mittlerem und Oberen Keuper, d. h. zuunterst lagern die tonigen und mergeligen von Gips- und Anhydritbändern durchzogenen Schichten des Mittleren Keupers, die sanftre Hangformen erzeugen. Darüber lagern die das Plateau aufbauenden Rhätsandsteine des Oberen Keupers und wiederum darüber der Luxemburger Sandstein aus dem Lias (Unterer Jura), die die steil abfallenden Felsstufen hervorrufen. Die izum talboden reichenden sanfteren Hänge werden teilweise von hangabwärts gerutschten Gesteinstrümmern der Sandsteine und von Schwemmmaterial überdeckt. Mächtige, eiszeitlich vom Plateaurand her umgelagerte Sandsteinblöcke verursachten einen Stau der Prüm zwischen den Orten Prümzurlay und Irrel. Diese Barriere überwindet der Fluss in den sogenannten Irreler Wasserfällen. Wo Quellen an der Sandstein-Ton/Mergelgrenze austreten sind die Talhänge durch Dellen und Mulden gegliedert.
Durch die klimatische Gunst des Tales, die vorwiegend eine thermische Begünstigung ist, findet man zahlreiche alte, heute brachliegende Weinbergterrassen. Diese Gunst ermöglicht auch den Hopfenanbau in der Umgebung von Holsthum.