Infrastrukturen für alle erlebbar und nutzbar machen

Drei Gastgeber im Naturpark Südeifel haben mittels Förderung barrierefrei gebaut.

Derzeit sind nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO ca. 15% der Weltbevölkerung aufgrund einer Behinderung oder ihres Alters auf Barrierefreiheit angewiesen. Bis 2050 wird dies auf ein Fünftel der Menschen weltweit zutreffen. In Deutschland leben bereits heute mehr als 10 Mio. Menschen mit einer Behinderung, die bei einer Reise besonders auf barrierefreie Angebote angewiesen sind. Barrierefreiheit spielt auch eine immer wichtigere Rolle, weil sie Urlaub mit der ganzen Familie über die Generationen hinweg erleichtert. Deshalb wird das Interesse an Angeboten, die Barrierefreiheit garantieren, immer größer. Dazu gehören barrierefreie Restaurants, Hotels und Campingplätze. Im Jahr 2016 hat der Naturpark Südeifel sich mit dem Sieg beim landesweiten Wettbewerb „Tourismus für Alle - Entwicklung barrierefreier Modellregionen in Rheinland-Pfalz“ den exklusiven Zugriff auf Fördermittel aus dem Europäischen Fond für regionale Entwicklung gesichert. Indra Schaperdoth, Fachkraft für barrierefreien Tourismus im Naturpark Südeifel, konnte dadurch in den vergangenen Jahren barrierefreie Angebote planen und umsetzen für Einheimische sowie Touristen. Dazu gehören beispielsweise der zertifizierte Komfort-Weg in Ammeldingen bei Neuerburg und der zertifizierte Aussichtspunkt Liborius Kapelle Ernzen, weitere Projekte sind in der Umsetzung. Doch komplett wird das Angebot erst, wenn auch viele Hotels, Gasthäuser und Campingplätze barrierefrei sind.

Hier kommt das Förderprogramm der Investitions- und Strukturbank Rheinland-Pfalz (ISB) ins Spiel. Es richtet sich an kleine und mittlere gewerbliche Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe sowie Campingplätze, die eine Zertifizierung nach „Reisen für alle“ besitzen bzw. anstreben. Bei „Reisen für Alle“ handelt es sich um ein Kennzeichnungssystem für barrierefreie Tourismus-Angebote in Deutschland. Es sind Zuschüsse von bis zu 40 Prozent möglich. Drei Betriebe im Naturpark Südeifel haben bisher die Förderung in Anspruch genommen, um Barrierefreiheit für ihre Gäste zu schaffen: das Hotel Hauer und das Waldhotel Sonnenberg aus Bollendorf sowie das Haus Hubertus aus Winterspelt.

Damit ein Aufenthalt ohne Einschränkungen möglich ist, wurde im Zuge der Förderung ein barrierefreier Anbau an das Hotel Hauer angefügt, Anbau und Hotel sind miteinander verbunden. Insgesamt gibt es drei komfortable, geschmackvoll eingerichtete barrierefreie Zimmer mit Dusche/WC, alle sind mit dem Hauptaufzug ebenerdig erreichbar. Außerdem ist das Gebäude stufenlos zugänglich über den Nebeneingang, es gibt einen barrierefreien Speiseraum im Erdgeschoss sowie ein barrierefreies WC. Laut Inhaber Carlo Hauer war es eine notwendige Investition: „Ich bin mir sicher, dass Barrierefreiheit eine immer größere Bedeutung im Tourismus gewinnen wird. Deshalb habe ich die Förderung der ISB genutzt, um so gut wie möglich aufgestellt zu sein für die Zukunft.“   

Ähnlich wie sein Kollege sieht es Hermann Nübel vom Hotel Sonnenberg in Bollendorf. „Um noch mehr Touristen in die Südeifel zu locken, müssen wir Gastgeber auch körperlich beeinträchtigte Menschen als Zielgruppe im Blick haben und unsere Angebote dementsprechend attraktiv gestalten und ausbauen.“ Nübel hat mit Hilfe der Fördermittel das Haus barrierefrei gestalten können, darunter zwei Zimmer. Besonders die barrierefreien Badezimmer zeigen deutlich, dass barrierefreies Bauen zu Unrecht immer noch häufig als schmucklos oder gar hässlich gilt. Das Gegenteil ist der Fall, beide Badezimmer bieten viel Bewegungsraum und können mit herkömmlichen Badezimmern in Puncto Design definitiv mithalten.     

Der dritte im Bunde ist das Haus Hubertus in Winterspelt. Inhaber Marcel Jänen hat ein komplett neues, barrierefreies Gästehaus gebaut mit 24 Gästezimmern, die stufenlos erreichbar sind. Ein Zimmer im Haupthaus sowie ein Zimmer im Gästehaus sind barrierefrei. Besonderer Blickfang ist die neue Brücke, die das Hauptgebäude barrierefrei mit dem Neubau verbindet. Hat sich seiner Meinung nach die Teilnahme am Förderprogramm gelohnt? „Ohne das Programm der ISB wäre es sicherlich schwieriger gewesen, Barrierefreiheit bei uns umzusetzen. Denn abgesehen von der finanziellen Unterstützung hat das Fachwissen und die Beratung von Indra Schaperdoth und der ISB bei der Planung und Umsetzung sehr geholfen.“

Weitere Informationen zum Förderprogramm und zur Antragstellung sind im Internet unter https://isb.rlp.de/foerderung/282.html abrufbar. Ansprechpartnerin beim Zweckverband Naturpark Südeifel ist Indra Schaperdoth (06525 79 26 120, schaperdoth@naturpark-suedeifel.de). Ansprechpartnerin bei der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm für die Wirtschaftsförderung ist Charlotte Thul (06561 15-5135, thul.charlotte@bitburg-pruem.de). Bei der ISB erteilen Frank Schaaf (06131 6172-1306, frank.schaaf@isb.rlp.de) und Ralf Göppert (06131 6172-1328, ralf.goeppert@isb.rlp.de) Auskunft zu den Fördermöglichkeiten. Informationen zu den drei Gastgebern im Internet:

www.hotel-hauer.de/

www.waldhotel.com/

hubertus-winterspelt.de/

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